Darmstädter Künstlerkolonie
Inhaltsverzeichnis
Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein und die Künstlerkolonie Mathildenhöhe
Der Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und Rhein war in vielerlei Hinsicht ein für seine Zeit ungewöhnlicher Landesherr. Im Gegensatz zu seinem Cousin Kaiser Wilhelm II. hatte er es nicht mit dem Militär und den großen Auftritten. Er war vielmehr der künstlerische Typ, der sich mehr an der Zukunft als an der Vergangenheit orientierte. Nicht der Historismus des preußischen Kaisers war sein Ziel, sondern der auf Reform ausgerichtete neue Stil – der Jugendstil.

Ernst Ludwig – Kindheit und Jugend
Geboren wurde Ernst Ludwig am 25. November 1868 in Darmstadt als Sohn von Großherzog Ludwig IV. (1837-1892) und Alice von Großbritannien und Irland (1843-1878). Auch er war also, genau wie der zukünftige deutsche Kaiser, ein Enkel der berühmten Queen Victoria (1819-1901).
Seine zunächst glückliche Kindheit wurde erschüttert, als sich beinahe die ganze Familie mit Diphterie infizierte und kurz nacheinander sowohl die jüngste Schwester Marie als auch die Mutter starben.
Die Großmutter Queen Victoria hat sich daraufhin der Kinder angenommen und so kam Ernst Ludwig früh in Berührung mit der britischen Kultur.
1894 heiratete der frisch gebackene Großherzog seine Cousine Victoria Melita von Edinburgh (1876-1936). Die Ehe verlief unglücklich und wurde 1901 geschieden. Für die einzige Tochter, Elisabeth, war Ernst Ludwig ein liebevoller Vater und er ließ 1902 für sie das noch heute existierende Prinzessinnenhaus von Joseph Maria Olbrich bauen. Allerdings hielt auch dieses Glück nicht, denn im November 1903 verstarb die Achtjährige an Typhus. Der Bildhauer Ludwig Habich schuf eine Engelsfigur, die ihr Grab bewacht.
Die Künstlerkolonie auf der Darmstädter Mathildenhöhe

Bereits 1899 hatte Großherzog Ernst Ludwig die Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe gegründete, die er aus privaten Mitteln finanzierte.
Ziel der Künstlerkolonie war es vor allem das einheimische Handwerk durch hochwertige künstlerische Entwürfe zu fördern und über die Grenzen Hessens hinaus bekannt zu machen, gemäß seinem Motto „Mein Hessenland blühe und in ihm die Kunst.“
Ernst Ludwig und die Künstlerkolonie
Nach dem Tod seiner Tochter kümmerte sich Ernst Ludwig noch intensiver um den Ausbau und die Förderung der Künstlerkolonie, so dass Darmstadt bald zu einem der wichtigsten Jugendstilzentren wurde und vielen als deutsche Hauptstadt dieser Kunstrichtung galt.
1899 berief Ernst Ludwig zunächst sieben Künstler: Peter Behrens, Paul Bürck, Rudolf Bosselt, Hans Christiansen, Ludwig Habich, Patriz Huber und den bald zur Führungsfigur gewordenen Joseph Maria Olbrich.
Unter dem Titel „Ein Dokument deutscher Kunst“ fand von Mai bis Oktober 1901 eine erste Ausstellung statt. Im Mittelpunkt standen die Künstlerhäuser und verschiedene extra für die Ausstellung errichtete Bauten.
1904 fand eine zweite Ausstellung statt und auch für diese wurden mehrere Bauten errichtet.
Der Hochzeitsturm von Joseph Maria Olbrich und eine Kleinwohnungskolonie bildeten den Mittelpunkt der dritten Ausstellung im Jahr 1908.
Die 1914 eröffnete vierte Ausstellung musste aufgrund des einsetzenden 1. Weltkriegs vorzeitig beendet werden.
Ernst Ludwig vom Großherzog zum Privatmann
1905 heiratete der Großherzog ein zweites Mal. Aus dieser Ehe mit Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich (1871-1937) gingen zwei Söhne hervor: Georg Donatus (1906-1937) und Ludwig (1908-1968).
Der 1. Weltkrieg brachte das Ende der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe und auch das Ende der Herrschaft Ernst Ludwigs. Im Gegensatz zu seinem Cousin, dem Kaiser, musste er das Land nicht verlassen, sondern durfte in Hessen bleiben. Er zog sich u.a. auf Schloss Wolfgarten zurück, wo er am 9. Oktober 1937 verstarb. Beigesetzt wurde Ernst Ludwig nahe seiner Tochter Elisabeth auf der Rosenhöhe in Darmstadt.
Ebenfalls dort bestattet sind sein Sohn Georg Donatus und seine zweite Ehefrau, die bei einem Flugzeugabsturz am 16. November 1937 ums Leben kamen.

Kaum ein anderer ehemaliger Landesherr genießt bis heute ein derart positives Ansehen in weiten Teilen der Bevölkerung wie Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein. Sein positives Image erwarb er sich aufgrund zahlreicher Verdienste um das Land Hessen und seines Mäzenatentums.
Seine im Jahr 2023 neu erschienenen Lebenserinnerungen werfen jedoch ein anderes und weniger positives Licht auf den Großherzog.
Aus diesem Grunde seien Auszüge daraus hier zitiert:
12. September 1921
Geschehnisse und Menschen – Erinnerungen. Ernst Ludwig Großherzog von Hessen und bei Rhein, bearb. v. Thomas Aufleger, Darmstadt und Marburg 2023 [Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 191], S. 200
Es fängt schon an, der Schrei nach einem Diktator […] Käme ein Diktator, so kann und muss es einer sein, der keinen Egoismus und Parteianschauung hat. […] Das Beste wäre, wenn das Volk über die Parteien hinaus ihn auf seine Schultern hebt. Die Deutschen müssen einen Deutschen wählen. Nur wenn der Grundgedanke Deutschland echt und wahr ist, wird Deutschland wieder auferstehen können. Nur dieser Gedanke muss alles beherrschen und dafür will ich mitarbeiten, wo immer mir die Möglichkeit gegeben wird.“
Als Ernst Ludwig diese Forderung nach einem „Diktator“ zu Papier brachte, war Friedrich Ebert Reichspräsident. Reichskanzler war Joseph Wirth. Beide Politiker wandten sich deutlich gegen rechtspopulistische und nationalistische Tendenzen. So äußerte Wirth nach der Ermordung Walther Rathenaus im Jahr 1922: „Da steht der Feind, der sein Gift in die Wunden eines Volkes träufelt. – Da steht der Feind – und darüber ist kein Zweifel: dieser Feind steht rechts!“
Bekenntnisse und Äußerungen, die der ehemalige Großherzog offenbar nicht guthieß.
Noch bezeichnender ist ein Zitat Ernst Ludwigs vom 25. November 1933:
„Mein Traum und meine Hoffnung sind erfüllt. Wir haben einen Kanzler, der Diktator ist. Aus dem Volk entstanden, hat er um die deutsche Seele gerungen und gekämpft. […] Auswüchse können entstehen, werden aber ausgetilgt. Missverständnisse und Ungerechtigkeiten werden durch kleine Unterbeamtenmenschen gesät, aber auch diese werden alle vergehen, denn alles lebt und webt jetzt für Deutschland. Groß ist unsere Zeit ! und ich weiß jetzt, warum ich lebe.“
Geschehnisse und Menschen – Erinnerungen. Ernst Ludwig Großherzog von Hessen und bei Rhein, bearb. v. Thomas Aufleger, Darmstadt und Marburg 2023 [Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 191], S. 200
13 Tage zuvor hatte eine erneute Reichstagswahl stattgefunden. Zur Wahl stand nur die „Einheitsliste“ mit Mitgliedern der NSDAP und einigen wenigen sog. „Gästen“, denn Hitler hatte alle Parteien außer der NSDAP auflösen lassen. Hatten im Reichstag bis zu dieser Wahl noch demokratisch gewählte Abgeordnete gesessen, so waren diese nun Geschichte. Unter den Abgeordneten befanden sich ab diesem Zeitpunkt weder Frauen noch Juden.
Gleichzeitig mit dieser „Wahl“ hatte eine Volksabstimmung den Austritt aus dem Völkerbund beschlossen.
Bereits am 2. Mai 1933 waren die Gewerkschaften aufgelöst worden und der Straßenterror gegen Gewerkschafter hatte begonnen. Die ersten Ermordungen von Gewerkschaftern hatten stattgefunden.
Dass Ernst Ludwig zu diesem Zeitpunkt ein solches Bekenntnis zu Hitler zu Papier brachte, wirft ein bezeichnendes Licht auf den ehemaligen Großherzog. Zumal er mit der Anmerkung „Auswüchse können entstehen“ durchaus einräumt Kenntnisse über derartige Geschehnisse zu haben, die er „kleine[n] Unterbeamtenmenschen“ zuschreibt.
Basierend auf diesen nun bekannt gewordenen Äußerungen sollte die Frage gestellt werden, ob es weiterhin möglich ist, diesen Großherzog für seine „Verdienste“ zu feiern ohne die andere Seite seiner Persönlichkeit zu beleuchten.
Die Künstler der Mathildenhöhe

Insgesamt waren im Laufe des Bestehens 23 Künstler Mitglied der Künstlerkolonie der Mathildenhöhe.
Einige von ihnen blieben auch nach dem Ende der Künstlerkolonie, weiterhin in Darmstadt wohnhaft.
(Die Jahreszahlen in Klammern geben die Daten der Mitgliedschaft an bzw. bis wann die Künstler in Darmstadt blieben.)
Peter Behrens

Peter Behrens (1899-1903)
Der Architekt, Maler und Designer Peter Behrens wurde 1868 in Hamburg geboren. Zwischen 1885 und 1891 studierte er Malerei an den Kunstakademien Karlsruhe, Düsseldorf und München. Nach seinem Studium lebte und arbeitete er als selbständiger Maler in München und wurde 1892 Mitbegründer der Münchner Secession.
Behrens Berufung an die Darmstädter Künstlerkolonie erfolgte 1899. Neben seiner Tätigkeit in Darmstadt gab er außerdem ab 1902 Meisterkurse am Bayerischen Gewerbemuseum in Nürnberg. Bereits nach vier Jahren trat er 1903 aus der Künstlerkolonie aus und einen Posten als Direktor der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf an. Ein Jahr später ergab sich eine Zusammenarbeit mit Karl Ernst Osthaus, einem Kunstmäzen und Sammler.
1907 siedelte er nach Berlin um und wurde künstlerischer Beirat der Firma AEG und Mitbegründer des Deutschen Werkbunds.
Verstorben ist Peter Behrens am 27. Februar 1940 in Berlin.

Rudolf Bosselt
Rudolf Bosselt (1899-1903)
Der Bildhauer, Medailleur und Reformpädagoge Paul Gustav Rudolf Bosselt wurde 1871 im brandenburgischen Perleberg geboren. Bevor er 1899 als eines der Gründungsmitglieder der Darmstädter Künstlerkolonie berufen wurde, vervollständigte er seine Ausbildung an der Pariser Académie Julian.
Von Darmstadt führte ihn sein Weg auf Empfehlung von Peter Behrens nach Düsseldorf, wo er zunächst an der Kunstgewerbeschule unterrichtete bevor er dort 1907 zum Direktor berufen wurde.
Ebenfalls 1907 gehörte er, wie viele andere Mitglieder der Darmstädter Künstlerkolonie, zu den Mitbegründern des Deutschen Werkbunds.
Er verstarb am 2. Januar 1938 in Berlin.

Paul Bürck
Paul Bürck (1899-1902)
Ebenfalls zur ersten Generation der Darmstädter Künstlerkolonie zählt Paul Wilhelm Bürck, der am 3. September 1878 in Straßburg geboren wurde. Er absolvierte ein Studium an der Kunstgewerbeschule München, von wo aus er 1899 direkt nach Darmstadt berufen wurde. Damit war Paul Bürck das jüngste Mitglied der neuen Künstlerkolonie. Allerdings wurde sein Vertrag nicht verlängert, so dass er bereits 1902 wieder ausschied und als Lehrer für Buchdruck und Lithographie an die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Magdeburg wechselte.
Er starb am 18. April 1947.

Foto: Sammlung „1900 modern times“ Manfred Geisler CC-by SA 4.0
Hans Christiansen

Foto: gemeinfrei, via Wikimedia Commons
Hans Christiansen (1899-1902)
Der am 6. März 1866 in Flensburg geborene Hans Christiansen zählt zu den bekanntesten Mitgliedern der Darmstädter Künstlerkolonie.
Seine Ausbildung zum Maler begann er 1888 an der Kunstgewerbeschule in München und vervollständigte sie während einer Italienreise, bevor er sich als Dekorationsmaler in Hamburg niederließ.
1895 ging er nach Paris, um an der Académie Julian zu studieren. 1899 wurde Christiansen von Großherzog Ernst Ludwig berufen in die Künstlerkolonie berufen. In seiner Darmstädter Zeit entwarf er vor allem Möbel, Keramiken, Glasmalereien und Schmuck.
Berühmt wurde seine Villa in Rosen, die er für die erste Ausstellung auf der Mathildenhöhe im Jahr 1901 ausstattete.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde er mit einem Berufsverbot belegt, da er mit einer Jüdin verheiratet war und seine Kunst als undeutsch galt.
Kurz vor Kriegsende, am 5. Januar 1945 verstarb Hans Christiansen in Wiesbaden.

Johann Vincenz Cissarz
Johann Vincenz Cissarz (1903-1906)
Das Multitalent Johann Vincenz Cissarz, das als Maler, Zeichner, Graphiker, Plakat- und Buchkünstler sowie als Innenarchitekt und Kunsthandwerker von sich Reden machte, wurde am 22. Januar 1873 in Danzig geboren.
Seit der Gründung der Deutschen Werkstätten Hellerau 1898 gestaltete er für diese vor allem Inneneinrichtungen und Tapeten.
1903 berief Großherzog Ernst Ludwig Cissarz an die Darmstädter Künstlerkolonie, wo er bis 1906 blieb. In dieser Zeit entwarf er u.a. Inneneinrichtungen, den Katalog und das Plakat für die zweite Ausstellung der Künstlerkolonie sowie auch ein Werbeplakat für das Kurbad Bad Nauheim.
1908 wurde er Mitglied im Deutschen Künstlerbund und 1909 Professor an Kunstakademie Stuttgart.
Cissarz verstarb in Frankfurt am 22. Dezember 1942.

Daniel Greiner
Daniel Greiner (1903-1906)
Eher unbekannt ist der 1872 in Pforzheim geborene Bildhauer Daniel Greiner, der erst spät als Künstler tätig wurde.
Durch eine erfolgreiche Ausstellung in Darmstadt wurde Ernst Ludwig auf ihn aufmerksam und berief ihn an die Mathildenhöhe aus der im Jahr 1906 bereits wieder ausschied.
Als Mitglied der KPD und Abgeordneter des hessischen Landtags litt er unter der nationalsozialistischen Herrschaft. Er wurde isoliert und verarmte.
Am 8. Juni 1943 verstarb Daniel Greiner.
Ludwig Habich

Ludwig Habich (1899-1906)
Der deutsche Bildhauer, Medailleur und Hochschullehrer Ludwig Habich wurde 1872 geboren. E studierte am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt a.M., an der Karlsruher Kunstakademie und der Münchner Kunstakademie.
Er wurde 1899 in die Darmstädter Künstlerkolonie berufen, die er 1906 verließ und nach Stuttgart übersiedelte.
1940 erhielt Habich den Kulturpreis.
Ludwig Habich verstarb am 20. Januar 1949 in Jungenheim, in der Nähe von Darmstadt.
Paul Haustein
Paul Haustein (1903-1906)
Seine Ausbildung erhielt der 1880 geborene Paul Haustein an den Kunstgewerbeschulen in Dresden und München. Kontakt zu Mitgliedern der Darmstädter Künstlerkolonie bekam er spätestens 1901, als er gemeinsam mit Peter Behrens kunstgewerbliche Meisterkurse gab.
1903 wurde Haustein dann nach Darmstadt zur Mathildenhöhe berufen, verließ die Künstlerkolonie aber bereits 1906 wieder und wurde Lehrer für das Metallfach an der Königlichen kunstgewerblichen Lehr- und Versuchswerkstätte in Stuttgart.
Bernhard Hoetger

Foto: gemeinfrei, via Wikimedia Commons
Bernhard Hoetger (1911-1914)
Zur letzten Künstlergeneration der Darmstädter Künstlerkolonie gehört der 1874 in Hörde (heute Dortmund) geborene Bernhard Hoetger. Der ausgebildete Steinmetz arbeitete als Bildhauer, Maler, Architekt und Kunsthandwerker.
Für die vierte Ausstellung der Künstlerkolonie im Jahr 1914 war Bernhard Hoetger an der Errichtung des Platanenhains beteiligt.
Obwohl Hoetger früh in die NSDAP eintrat, wurde sein Werk als entartet eingestuft und er aus der Partei ausgeschlossen. Seine Werke wurden aus den Museen entfernt und Bernhard Hoetger floh 1943 in die Schweiz, wo er am 18. Juli 1949 verstarb.
Patriz Huber

Patriz Huber (1899-1902)
Er ist wohl die tragischste Gestalt in der Geschichte der Darmstädter Künstlerkolonie, der am 19. März 1878 geborene Patriz Huber.
Nachdem Patriz Huber 1902 die Darmstädter Künstlerkolonie verlassen hatte, ging er mit anderen ehemaligen Mitgliedern nach Berlin, wo er kurz darauf am 20. September 1902 Selbstmord beging.

Heinrich Jobst
Heinrich Jobst (1907-1918)
Im Jahr 1874 wurde der Bildhauer und Medailleur Heinrich Jobst geboren, dessen Werke in Bad Nauheim unübersehbar sind. Das gilt vor allem für die große Umfassung der beiden Sprudel, die das Zentrum des Sprudelhofs bildet.
Großherzog Ernst Ludwig berief Jobst 1906 als Nachfolger von Ludwig Habich an die Darmstädter Künstlerkolonie. 1909 erhielt er überdies eine Professur im Großherzoglichen Lehratelier für angewandte Kunst.
Auch nach dem Ende der Künstlerkolonie blieb Jobst in Darmstadt wo er auch am 10. Februar 1943 verstarb.

Friedrich Wilhelm Kleukens
Friedrich Wilhelm Kleukens (1907-1918)
Der Maler, Grafiker, Buchkünstler, Architekt und Typograf Friedrich Wilhelm Kleukens wurde 1878 in der Nähe von Bremen geboren.
Vor allem als Buchkünstler machte sich Kleukens einen Namen.
Im Jahr 1900 war er Mitbegründer der ersten modernen Werbeagentur, der Steglitzer Werkstatt. 1906 wurde er von Großherzog Ernst Ludwig 1906 an die Darmstädter Künstlerkolonie berufen. Darüber hinaus war Kleukens ab 1907 künstlerischer Leiter der Ernst-Ludwig-Presse, die er gemeinsam mit seinem Bruder betrieb.
Er verstarb am 22. August 1956 in Nürtingen.

Christian Heinrich Kleukens
Christian Heinrich Kleukens (1913-1918)
Genau wie sein Bruder arbeitete auch der 1880 geborene Christian Heinrich Kleukens als Typograf sowie als Drucker und Lehrer.
1907 folgte Christian Heinrich seinem Bruder zur Ernst-Ludwig-Presse nach Darmstadt, die er ab 1914 selber leitete nachdem er ein Jahr zuvor auch Mitglied der Mathildenhöhe geworden war.
Nach dem Ende der Künstlerkolonie gründete er die Kleukens-Presse und die Kleukens-Binderei in Darmstadt.
„Kleukens war seit 1934 Mitglied der SA, später in leitender Position (1942 SA-Sturmführer, 1943 SA-Obersturmführer). Außerdem war er ab 1934 Leiter der Fachgruppe Schrift und Buchkunst der Ortsgruppe Mainz des „Kampfbundes für deutsche Kultur“, 1935-1945 Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste und 1937-1945 Mitglied in der NSDAP.
Literarisch und künstlerisch war er im Sinne der NS-Ideologie tätig und profitierte davon auch beruflich: als Buchkünstler und Schriftsteller übernahm er zahlreiche Auftragsarbeiten, brachte Reden von NS-Größen in Form und publizierte sie, plante auch eine Monumentalausgabe von „Mein Kampf“, die aber nicht erschien.“ [Stadtarchiv Darmstadt – Fachbeirat Straßennamen: Christian Heinrich Kleukens, zuletzt geprüft: 29.11.2023. Auch der Mitgründer der Kleukens-Presse Binding war aktiver Nationalsozialist.]
Christian Heinrich Kleukens verstarb am 7. April 1954 in Darmstadt.
Edmund Körner
Edmund Körner (1911-1916)
Auch der 1874 in Leschwitz bei Görlitz geborene Edmund Körner war Architekt und hatte an den Technischen Hochschulen in Dresden und Berlin studiert, bevor er 1911 an die Darmstädter Künstlerkolonie berufen wurde.
1933 erhielt er von den Nationalsozialisten ein zeitweiliges Berufsverbot, da er der Architekt der Essener Synagoge war.
Edmund Körner verstarb am 14. Februar 1940 in Essen.
Emanuel Josef Margold
Emanuel Josef Margold (1911-1918/29)
Der im Mai 1888 in Wien geborene Emanuel Josef Margold war Architekt, Graphiker und Kunstgewerbler. Studiert hatte er zunächst an der Kunstgewerbeschule in Mainz und ging dann an die Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er bei Josef Hoffmann studierte. Die Berufung Margolds in die Darmstädter Künstlerkolonie erfolgte im Jahr 1911.
Auch nach dem Ende der Künstlerkolonie blieb Margold zunächst in Darmstadt bevor er 1929 nach Berlin umzog, um dann 1938 als Professor an die Kunstgewerbeschule ins slowakische Bratislava zu gehen. In dieser Stadt blieb Margold bis zu seinem Tod am 2. Mai 1962.

Albin Müller

Albin Müller (1906-1914)
Der Architekt, Pädagoge und Gestalter Albin Müller wurde 1871 in Dittersbach im Erzgebirge geboren.
An die Darmstädter Künstlerkolonie wurde Albin Müller 1906 berufen. 1907 erfolgte die Ernennung zum Professor. Hier in Darmstadt arbeitete er zwischen 1907 und 1911 als Lehrer für Raumkunst am Großherzoglichen Lehratelier für angewandte Kunst. Nach dem Ausscheiden von Peter Behrens entwickelte sich Müller spätestens ab 1908 zum führenden Architekten der Mathildenhöhe.
Er verstarb am 2. Oktober 1941 in Darmstadt.

Foto: Sammlung „1900 modern times“ Manfred Geisler CC-by SA 4.0
Joseph Maria Olbrich

Joseph Maria Olbrich (1897/99-1908)
Der 1867 im tschechischen Troppau geborene Joseph Maria Olbrich gilt vielen als bedeutendster Künstler der Darmstädter Künstlerkolonie. Vor allem als Architekt hatte er großen Einfluss auf das Gesicht der Mathildenhöhe, deren weithin sichtbare Landmarke, den Hochzeitsturm, er entwarf.
1893 trat er in das Büro von Otto Wagner ein.
Der Durchbruch als Architekt gelang Olbrich mit dem Bau des Wiener Secessionsgebäudes im Jahr 1897. Hierdurch wurde auch Großherzog Ernst Ludwig auf ihn aufmerksam und holte ihn als Gründungsmitglied der Künstlerkolonie nach Darmstadt.
Auch abseits der Künstlerkolonie machte Olbrich mit seinen Entwürfen von sich reden. Sein letzter großer Auftrag war das Warenhaus Tietz in Düsseldorf. Hier starb Olbrich am 8. August 1908 mit gerade einmal 40 Jahren an Leukämie.

Fritz Oßwald
Fritz Oßwald (1913-1918/21)
Als einer der letzten Künstler kam der in Zürich geborene Maler Fritz Oßwald zur Darmstädter Künstlerkolonie. Nach einer Ausstellung seiner Werke in der Kunsthalle Darmstadt wurde er von Großherzog Ernst Ludwig in die Künstlerkolonie berufen.
1918 ging Fritz Oßwald zurück in die Schweiz, zog 1922 nach Starnberg. Hier lebte er bis zu seinem Tod im Jahr 1966.
Hanns Pellar
Hanns Pellar (1911-1918/25)
Ein weiterer österreichischer Künstler in der Riege der Mitglieder der Darmstädter Künstlerkolonie war der 1886 in Wien geborene Hanns Pellar.
In seiner Darmstädter Zeit spezialisierte sich Pellar auf die Porträtmalerei. Die großherzogliche Familie und zahlreiche Adelige und reiche Bürger ließen sich vom „Maler der Eleganz“ auf die Leinwand bannen.
Für die Ausstellung der Künstlerkolonie im Jahr 1914 fertigte er überdies Kostümentwürfe.
Bis 1917 blieb Pellar auswärtiges Mitglied der Künstlerkolonie. 1925 zog er nach Frankfurt a.M. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten führte dazu, dass er Berufsverbot erhielt, da zum einen seine Kunst als unerwünscht galt und er sich zum anderen weigerte sich von seiner jüdischen Frau scheiden zu lassen.
Daraufhin verließ Pellar Deutschland und ging zurück nach Wien, wo er am 20. August 1971 starb.
Ernst Riegel
Ernst Riegel (1906-1912)
Ernst Riegel wurde 1871 im unterfränkischen Münnerstadt geboren.
Er wurde 1906 in die Darmstädter Künstlerkolonie berufen nachdem er Erfolge auf der Kunstgewerbeausstellung in Dresden gefeiert hatte. In Darmstadt blieb er bis 1912 und wurde in dieser Zeit auch Mitglied des Deutschen Werkbundes und unterrichtete an den Großherzoglichen Ateliers. Besonders bekannt sind aus dieser Zeit seine Arbeiten für die Waechtersbacher Steingutfabrik und seine Kunstschmiedearbeiten, die auch an vielen Stellen in Bad Nauheim zu sehen sind.
1913 verließ Ernst Riegel die Künstlerkolonie und trat einen Lehrauftrag an der Handwerks- und Kunstgewerbeschule in Köln an, wo er die Goldschmiedeklasse leitete. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1933 war er dort tätig, blieb allerdings weiterhin externes Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie.
Ernst Riegel verstarb am 14. Februar 1939 in Köln.

Jakob Julius Scharvogel
Jakob Julius Scharvogel (1906-1914)
Nachdem der 1854 geborene Jakob Julius Scharvogel die Industrieschule in Zürich besucht hatte, wechselte er 1869 an die Polytechnische Schule in Darmstadt und studierte dort Mathematik, Chemie und Physik. Er entdeckte zeitgleich auch sein Interesse für das Kunsthandwerk.
Er übernahm 1855 die Leitung der Vertriebszentrale von Villeroy & Boch.
1898 gründete er die Münchner Kunsttöpferei und knüpfte erste Kontakte zu den Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk. In dieser Zeit arbeitete Scharvogel vor allem mit Ludwig Habich, Walter Magnussen und Paul Haustein zusammen.
So geriet er erstmals in Kontakt mit der Darmstädter Künstlerkolonie.
In Darmstadt angekommen übernahm er die Leitung der Großherzoglich Keramischen Manufaktur, deren erster Großauftrag die Ausstattung des Bad Nauheimer Sprudelhofs war.
Wie auch andere Mitglieder der Darmstädter Künstlerkolonie gehörte Jakob Julius Scharvogel zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Werkbundes.
Nicht zuletzt aufgrund des wirtschaftlichen Misserfolgs der Keramischen Werkstatt, wurde er 1913 aus der Künstlerkolonie entlassen und kehrte nach München zurück, wo er an der Technischen Hochschule arbeitete. Am 30. Januar 1938 verstarb Jakob Julius Scharvogel in München.

Josef Emil Schneckendorf
Josef Emil Schneckendorf (1906-1912)
Der am 29. Dezember 1865 im Siebenbürgischen Kronstadt geborene Josef Emil Schneckendorf absolvierte seine Bildhauerlehre in Budapest, Bukarest und Wien bevor er sich 1890 in München niederließ.
1906 wurde Josef Emil Schneckendorf von Großherzog Ernst Ludwig an die Künstlerkolonie Darmstadt berufen. Hier übernahm er 1907 die Leitung der Großherzoglichen Edelglasmanufaktur. Wirtschaftlich betrachtet war diese allerdings kein Erfolg, so dass Ernst Ludwig 1909 sein dortiges Engagement beendete. Schneckendorf allerdings führte die Manufaktur alleine weiter, musste sie aber dann 1911 endgültig schließen und verließ daraufhin Darmstadt. Er kehrte nach München zurück.
Josef Emil Schneckendorf starb am 11. Juli 1949 in München.

Foto: Sammlung „1900 modern times“ Manfred Geisler CC-by SA 4.0
Theodor Wende
Theodor Wende (1913-1918/21)
Als Nachfolger Ernst Riegels kam der 1883 in Berlin geborene Theodor Wende 1913 an die Darmstädter Künstlerkolonie.
Im 1. Weltkrieg zum Kriegsdienst einberufen, kam Wende 1918 nach Darmstadt zurück und arbeitete dort als Gold- und Silberschmied, bevor er 1921 als Professor nach Pforzheim an die Badische Kunstgewerbeschule wechselte, wo er 1951 emeritiert wurde.
Ein großer Teil des 1968 in Pforzheim verstorbenen Theodor Wende befindet sich heute im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt.
„Bauen für ein neues Leben“
Ausstellungen und Gebäude auf der Mathildenhöhe
Insgesamt vier Ausstellungen fanden zwischen 1901 und 1914 auf der Mathildenhöhe in Darmstadt statt.
Für diese Ausstellungen wurden Gebäude errichtet, manche von ihnen temporär, andere als permanente Häuser, die auch als Atelier oder Wohnhaus dienten und die jeweils mit ihrem äußeren Erscheinungsbild und der Innenausstattung ein Gesamtkunstwerk darstellten.

Die 1. Ausstellung der Künstlerkolonie: „Ein Dokument deutscher Kunst“
Von Mai bis Oktober 1901 fand die erste Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie statt. Ihr Motto: „Ein Dokument deutscher Kunst“.
Die Ausstellung sollte die Grundidee des Jugendstils zeigen: das ganze Leben, den Alltag künstlerisch und schön zu gestalten und einen neuen ganzheitlichen Lebensentwurf zu kreieren.
Für die Ausstellung wurden eigens temporäre Holzbauten errichtet.
Hauptattraktionen aber waren die permanent errichteten Häuser der Mitglieder der Künstlerkolonie.
Die Resonanz des Publikums auf die Ausstellung war groß, aber nicht nur positiv. Neben begeisterter Zustimmung zu diesem neuen Konzept gab es durchaus auch heftige Kritik.
Ein wirtschaftlicher Erfolg allerdings war die Ausstellung nicht. Sie schloss mit einem erheblichen finanziellen Defizit.

Die Ausstellungen der Darmstädter Künstlerkolonie 1904, 1908 und 1914
Im Jahr 1904 fand die zweite Ausstellung der Künstlerkolonie statt. Um die Kosten möglichst gering zu halten setzte man diesmal beinahe ausschließlich auf temporäre Bauten.
Nachdem Paul Bürck, Hans Christiansen und Patriz Huber nach der ersten Ausstellung die Mathildenhöhe verlassen hatten, waren vor der zweiten Ausstellung Johann Vincenz Cissarz, Daniel Greiner und Paul Haustein als neue Mitglieder hinzugekommen.
An der dritten Ausstellung der Künstlerkolonie im Jahr 1908 nahmen ausschließlich hessische Künstler:innen und Kunsthandwerker:innen teil.
Das Highlight der Ausstellung war ohne Zweifel der von Joseph Maria Olbrich entworfene Hochzeitsturm, der bis heute die weithin sichtbare Landmarke der Mathildenhöhe ist.
Im Jahr 1914 fand die vierte Ausstellung der Künstlerkolonie statt.
Das Schwerpunktthema war die Gestaltung von Mietshäusern.
Das Atelierhaus – Ernst-Ludwig-Haus
Das Ernst-Ludwig- oder auch Atelierhaus – wurde als Gebäude für Feste und Veranstaltungen der Künstlerkolonie nach Plänen von Joseph Maria Olbrich errichtet. Für den großen Versammlungsraum fertigte Paul Bürck mehrere Gemälde an.
Vor dem Eingang wachen bis heute zwei sechs Meter hohe Kolossalstatuen von Ludwig Habich, die -als Mann und Frau ausgefertigt – Kraft und Schönheit symbolisieren sollen.
Das Portal ziert die Inschrift: „SEINE WELT ZEIGE DER KÜNSTLER – DIE NIEMALS WAR NOCH JEMALS SEIN WIRD“ – ein Zitat des österreichischen Schriftstellers Hermann Bahr (1863-1934).
Heute beherbergt dieses Gebäude das Museum Künstlerkolonie Darmstadt.
Haus Deiters
Haus Deiters wurde für Wilhelm Deiters (1871-1926), den Geschäftsführer der Künstlerkolonie, errichtet. Die romantische Villa entwarf Joseph Maria Olbrich, der auch das Erdgeschoss gestaltete.
Großes Glückert-Haus
Auch das Große Glückert-Haus wurde von Joseph Maria Olbrich entworfen. Errichtet wurde es für Julius Glückert (1848-1911) einen in Darmstadt ansässigen Möbelfabrikanten.
Glückert zog nie in das Haus ein, sondern nutzte es als Schauraum für Möbel aus seiner Produktion.
Heute ist es Sitz der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.
Haus Olbrich
Dieses Haus errichtete Joseph Maria Olbrich tatsächlich für sich selbst und so plante er nicht nur das äußere Erscheinungsbild des Hauses, sondern auch die Raumaufteilung und vor allem die Innenausstattung bis ins letzte Detail und schuf so ein Gesamtkunstwerk.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus stark beschädigt und nicht originalgetreu wieder aufgebaut. An das alte Erscheinungsbild des Hauses erinnert heute im Grunde nur noch das Kachelfries.
Haus Behrens
Auch dieses Haus ist ein wirkliches Gesamtkunstwerk, das Peter Behrens hier entworfen hat aber nie selbst bewohnte.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus stark beschädigt. Die Fassade wurde originalgetreu wiederaufgebaut.
Hochzeitsturm
Er ist das Wahrzeichen der Mathildenhöhe: der Hochzeitsturm. Errichtet wurde er anlässlich der dritten Ausstellung der Künstlerkolonie im Jahr 1908. Geplant und gestaltet wurde auch dieser Turm von Joseph Maria Olbrich. Seinen Namen erhielt er, da er zur Erinnerung an die Hochzeit des Großherzogs Ernst Ludwig mit Eleonore von Solms-Hohensolms-Lich (1871-1937) am 2. Februar 1905 gebaut wurde.
Schwanentempel
Der Schwanentempel ist ein offener Pavillon, der auf acht Doppelsäulen ruht. Er hat einen Durchmesser von 6,50 Metern. Albin Müller entwarf diesen keramischen Pavillon für die letzte Ausstellung der Künstlerkolonie im Jahr 1914.
Kleines Glückert-Haus (Haus Rudolf Bosselt)
Gebaut im Rahmen der 1. Ausstellung der Künstlerkolonie und entworfen von Joseph Maria Olbrich wurde die Fassade mit Bildhauerarbeiten von Rudolf Bosselt verziert. Da Bosselt die Kosten für den Bau nicht tragen konnte, wurde es von Glückert übernommen. Es ist relativ originalgetreu erhalten.
Haus Christiansen
Haus Christiansen, auch Villa in Rosen genannt, wurde ebenfalls von Olbrich entworfen, beruht aber auf den Ideen von Hans Christiansen, der auch die Bemalung der Fassade übernahm.
Im 2. Weltkrieg wurde das Haus vollständig zerstört und nicht wiederaufgebaut.
Haus Habich
Das für Ludwig Habich errichtete Haus wurde ebenfalls von Olbrich geplant. Die Inneneinrichtung entwarf Patriz Huber. Es wurde im 2. Weltkrieg stark zerstört und verändert wiederaufgebaut.
Haus Keller
Auch hier war Joseph Maria Olbrich der Architekt. Gebaut wurde für den Philanthropen und Privatier Georg Keller. Das heutige Erscheinungsbild stimmt nach schweren kriegsbedingten Zerstörungen nicht mehr mit dem Original überein.
Dreihäusergruppe
Diese Häusergruppe wurde 1904 nach Plänen von Joseph Maria Olbrich gebaut. Neben Olbrich waren auch Paul Haustein und Johann Vincenz Cissarz an der Ausgestaltung der Häuser beteiligt. Nach Kriegszerstörungen existieren heute nur noch zwei der Häuser, allerdings sind sie stark verändert worden.
Haus Sutter
Bei diesem Haus war es der Namensgeber Hans Sutter (1856-1926), der als Architekt, Bauherr und Innenausstatter fungierte. Anders als die anderen Gebäude ist es nicht im Jugendstil erbaut worden.
Haus Wagner-Gewin
Dieses Haus wurde vom niederländischen Architekten Johann Christoph Gewin für den Bauunternehmer Ludwig Wagner errichtet.
Es wurde im 2. Weltkrieg zerstört und durch ein Mehrfamilienhaus ersetzt.
Oberhessisches Ausstellungshaus
Ebenfalls von Olbrich entworfen diente es bei der dritten Ausstellung der Künstlerkolonie als Ausstellungsgebäude für oberhessische Industrie- und Handwerksprodukte.
Bad Nauheim und die Künstlerkolonie der Darmstädter Mathildenhöhe

Zahlreiche Künstler der Mathildenhöhe fertigten auch Entwürfe für den zwischen 1905 und 1912 errichteten Kuranlagenkomplex in Bad Nauheim, speziell für den zentralen Sprudelhof.
Noch heute sind ihre Werke hier weitgehend erhalten:
Der Kuranlagenkomplex Bad Nauheim und die Darmstädter Künstler
Ludwig Habich entwarf die Brunnenmaske im Schmuckhof von Badehaus 4.

Heinrich Jobst zeichnete verantwortlich für die zentrale Sprudeleinfassung im Sprudelhof, sowie für die Reliefs in den Schmuckhöfen der Badehäuser 2 und 7.

Friedrich-Wilhelm Kleukens entwarf die großen Vogelfenster im Wartesaal von Badehaus 2 und malte die Elfen-Bilder, die ebenfalls für Badehaus 2 bestimmt waren. Außerdem stammten die leider nicht mehr erhaltenen Ausmalungen im Wartesaal von Badehaus 6 von ihm.

Albin Müller entwarf Ausstattungsteile des Fürstenbades von Badehaus 3.

Ernst Riegel entwarf die Kuppeln des Kur- und Ausschankbrunnens in der Trinkkuranlage, sowie die schmiedeeisernen Gitter des Brunnenpavillons. Auch für den Sprudelhof entwarf Riegel die schmiedeeisernen Geländer.
Jakob Julius Scharvogel zeichnete verantwortlich für zahlreiche keramische Arbeiten im Sprudelhof und in der Trinkkuranlage, vor allem im Wartesaal und im Schmuckhof von Badehaus 7.

Manufakturen
Die Künstler der Mathildenhöhe arbeiteten mit zahlreichen Manufakturen zusammen. Einige von ihnen waren eigens für die Künstlerkolonie gegründet worden, andere befanden sich in Hessen, wie die Steingutfabrik Waechtersbach. Wieder andere lagen weiter entfernt, etwa im Westen Deutschlands, wo vor allem Objekte aus Metall hergestellt wurden.
Großherzoglich Keramische Manufaktur
Im Jahr 1906 wurde die Großherzogliche Keramische Manufaktur durch den hessischen Großherzog Ernst Ludwig errichtet.
Hier sollten vor allem die keramischen Objekte gefertigt werden, die von Künstlern der Mathildenhöhe entworfen wurden. Für die Leitung der Manufaktur hatte Ernst Ludwig den Keramiker Jakob Julius Scharvogel nach Darmstadt berufen.
Nach dem Ausscheiden Scharvogels blieb sie bis in die 1930er Jahre mit wechselnden Besitzern erhalten, wurde dann jedoch endgültig geschlossen.
Die Zeitschrift „Pan“
Gegründet wurde die Zeitschrift PAN vom Journalisten und Schriftsteller Otto Julius Bierbaum (1865-1910) gemeinsam mit Julius Meier-Graefe. Das charakteristische Titelblatt mit Pankopf wurde vom Zeichner, Maler und Bildhauer Franz von Stuck (1863-1928) gezeichnet.
Die Zeitschrift veröffentlichte neben Grafiken auch Erzählungen, Gedichte und Berichte zum Kunstgewerbe.
Die aufwändige Gestaltung der Zeitschrift machte es unmöglich sie wirtschaftlich zu betreiben, so dass sie nur fünf Jahre von 1895 bis 1900 erschien.

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