Badekultur und Badewesen von der Antike bis zum Jugendstil

Die Badekultur ist vielleicht nicht ganz so alt wie die Menschheit, aber schon früh begannen die Menschen das Baden zu schätzen und auch zu ritualisieren. Schon in der Indus-Kultur, vor über 4.500 Jahren, lassen sich solch rituellen Bäder nachweisen.

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Arkaden mit Blick auf den großen Sprudel der Jugendstil Badeanlage Sprudelhof, Foto: H.A.M. Hölzinger CC-by SA 4.0


Daher widmet sich ein Teil der Dauerausstellung im Jugendstilforum Bad Nauheim auch der Geschichte der Badekultur von der Antike bis hinein in die Zeit des Jugendstils.

In der Antike erlebte das Badewesen wohl seine größte Blüte. Wer kennt sie nicht, die noch heute beeindruckenden Bauten der Caracalla-Thermen, die schon allein durch ihre Größe in Erstaunen versetzen. Aber auch hier in Deutschland haben die Römer zahlreiche Bäder hinterlassen, wie etwa in Baden-Baden, Aachen, Trier oder auch Wiesbaden und Xanten, und einige davon lassen sich noch heute besichtigen.

Doch schon die Griechen hatten dem Badewesen große Aufmerksamkeit gewidmet. Auch hier gab es bereits große Badeanlagen, die sowohl über Heißluftbäder, als auch Schwitzbäder und Kaltbäder verfügten.

Dabei galt das Bad sowohl bei den Griechen als auch bei den Römern längst nicht nur der Körperreinigung. Badeanlagen und Thermen waren vor allem Orte des gesellschaftlichen Lebens, des Zusammenkommens. Nicht selten wurden hier die wichtigen Gespräche zwischen Politikern und Wirtschaftsgrößen geführt, nicht selten auch über Verträge verhandelt und große Politik gemacht.

Tizian, Aktaion überrascht Diana beim Bade, 1559 - Badekultur
Tizian, Aktaion überrascht Diana beim Bade, 1559, gemeinfrei

Das Bad im Mittelalter und die Anfänge der Bäderreisen

Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches kam auch das Ende der Badekultur in Europa. Nicht nur, dass die prachtvollen Thermenanlagen verfielen, auch das Baden als solches scheint sich für geraume Zeit verloren zu haben, so zumindest das Bild, das ein Gesandter des Kalifen Al-Hakam II. im Jahr 973 zeichnet. Er schrieb: „Aber du siehst nichts Schmutzigeres als sie! Sie reinigen und waschen sich nur ein- oder zweimal im Jahr mit kaltem Wasser. Ihre Kleider aber waschen sie nicht, nachdem sie sie angezogen haben, bis dass sie in Lumpen zerfallen.“[1]

Nun, ganz so katastrophal wird es nicht gewesen sein – zumindest nicht überall – denn von Karl dem Großen etwa wissen wir, dass er gerne und oft badete und auch, dass er – wie es die ritterlichen Tugenden erforderten – schwimmen konnte. In Aachen etwa gab es das ganze Mittelalter hindurch Thermenanlagen. Um das Jahr 790 ließ Karl der Große hier die Büchelthermen zum Pfalzbad ausbauen, und ab dem 14. Jahrhundert begann ein großer Ausbau zum Kurbad. Etwa zur gleichen Zeit begann auch der Bäderbetrieb in Wiesbaden und Baden-Baden.

Die erneute Liebe zum Baden hatten die Kreuzfahrer mitgebracht. Auf den Kreuzzügen ins Heilige Land hatten sie die Badekultur des Orients kennengelernt, und auch ein Blick nach Spanien zu den Mauren ließ die Kultur des Badewesens wieder aufblühen.

Schnell gab es auch wieder Menschen, die bewusst die heilbringenden Quellen aufsuchten und gezielt zu diesen Orten reisten. In den meisten Städten entstanden nun auch wieder Badestuben, die, wie in der Antike, nicht nur Orte der Körperreinigung, sondern auch des sozialen und gesellschaftlichen Miteinanders waren.

Lucas Cranach der Ältere, Das goldene Zeitalter, 1530 - Badekultur
Lucas Cranach der Ältere, Das goldene Zeitalter, 1530, gemeinfrei

Die Badekultur der Neuzeit

Die Erkenntnis, dass Baden nicht nur der Körperreinigung und dem sozialen Austausch dienen kann, sondern vor allem auch der Gesundheit, hatte sich bereits im ausgehenden Mittelalter langsam wieder durchgesetzt. In der Folge entstanden erste Badeorte und Heilbäder. Recht schnell entwickelte sich vor allem Aachen wieder zu einem solchen Ort, denn hier schwebte noch immer der Geist Karls des Großen, der Aachen wohl vor allem wegen der heilenden Quellen zu seiner Lieblingsresidenz erklärt hatte. Aber auch andere Orte, wie etwa das Wildbad Kreuth, Baden in Österreich oder Plombières-les-Bains in Lothringen gehörten zu diesen ersten Heilbädern des ausgehenden Mittelalters.

Dabei wurde auch in den Kurbädern das Vergnügen nie vergessen. Ein Bericht Poggio Bracciolinis über den Alltag im schweizerischen Baden zu Beginn des 15. Jahrhunderts gibt beredte Auskunft: „In der Morgenfrühe waren die Bäder am beliebtesten. Wer nicht selbst badete, stattete seinen Bekannten Besuche ab. Von den Galerien herab konnte man mit ihnen sprechen und sie an schwimmenden Tischen essen und speisen sehen. Schöne Mädchen baten um ‘Almosen’, und warf man ihnen Münzen hinab, so breiteten sie die Gewänder aus, die Münzen aufzufangen und dabei ihre Reize zu enthüllen. Blumen schmückten die Oberfläche des Wassers, und oft hallten die Gewölbe wider vom Saitenspiel und Gesang. Mittags an der Tafel ging nach gestilltem Hunger der Becher solange um, wie der Magen den Wein vertrug, oder bis die Pauken und Pfeifen zum Tanze riefen.“[2]

Kurhaus Terrasse Bad Nauheim
Terrasse des Kurhauses von Bad Nauheim um 1900 – historische Postkarte

Die große Zeit der Bäderreisen

Seit dem 16. Jahrhundert entwickelten sich Bäderreisen zunehmend zu einer Mode der gehobenen Gesellschaft. Orte wie Baden-Baden, Bad Pyrmont, Bad Kissingen, Wiesbaden oder auch Bad Schwalbach begannen Bade- und Kurhäuser zu errichten und entwickelten sich spätestens seit dem 19. Jahrhundert zu mondänen und eleganten Metropolen der Sommerzeit.

Zu diesen ersten Orten traten schnell immer mehr hinzu, denn an vielen Orten begann man gezielt nach Heilquellen zu suchen, um diesen durchaus auch wirtschaftlichen Trend nicht zu verschlafen. Angeheizt wurde die Mode der Bäderreise sicherlich auch durch den allseits bekannten Geheimrat Johann Wolfgang Goethe, den es bekanntlich vor allem ins böhmische „Bäderdreieck“ zog. Karlsbad, Franzensbad und Marienbad nahmen im 19. Jahrhundert einen enormen Aufschwung und zogen zehntausende Gäste aus aller Welt an.

In Deutschland galt Wiesbaden als das „Weltbad“ jener Epoche und verzeichnete Jahr für Jahr über 100.000 Besucher. Fast genauso groß und wichtig war Baden-Baden. Insgesamt gab es allein in Deutschland über 300 Kurorte, und einer der großen und bedeutenden davon war Bad Nauheim – der Ort, den man auch das „3-Kaiserinnen-Bad“ nannte, weil sowohl die österreichische Kaiserin Elisabeth (besser bekannt als Sisi), als auch die deutsche Kaiserin Auguste Viktoria und die letzte russische Zarin Alexandra Fjodorowna hier zur Kur gewesen sind.

Jugendstilforum Badehaus 3 Badezelle für 2 Personen - Badekultur im Jugendstil
Jugendstilforum Badehaus 3 Badezelle für 2 Personen – Foto: H. Hölzinger CC-by SA 4.0

Badekultur im Jugendstilforum

Die Badekultur hat auch viel mit dem neugeschaffenen Jugendstilforum zu tun, zumal, da es im Badehaus 3 des Bad Nauheimer Sprudelhofs untergebracht ist. Darüber hinaus hatte der Jugendstilverein, der aktuell Träger des Jugendstilforums ist, bereits im Jahr 2017 eine Ausstellung zum Thema „Badekultur von der Antike bis in die Neuzeit“ organisiert, die auch damals bereits im Badehaus 3 gezeigt wurde.

Diese Ausstellung, die zwischenzeitlich als Wanderausstellung auch an anderen Orten zu sehen war, kehrt nun ins Badehaus 3 zurück und wird somit dauerhaft für die Besucher*innen des Jugendstilforums zu sehen sein.

Für uns als Jugendstilforum ist es wichtig auch diesen Teil der Geschichte Bad Nauheims abzubilden, denn er ist die maßgebliche Grundlage für die Existenz dieses einmaligen Jugendstilensembles, das nicht nur den Sprudelhof, sondern auch die Trinkkuranlage, die technischen Bauten am Goldstein und Teile des ehemaligen Kurhauses umfasst.


[1] Zitiert nach Otto Borst: Alltagsleben im Mittelalter, Frankfurt a.M. 1983.[2] Zitiert nach: Vladimir Krizek: Kulturgeschichte des Heilbades, Stuttgart 1990.

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