Die Fotografin Susanne Homann und Bad Nauheim

Es bewegt sich aktuell viel in Badehaus 3 und zu den Dingen, die bewegt werden zählt auch unsere Bibliothek. Als wir die Kisten packten und dabei auch gleich eine Inventur machten, da fiel uns ein dünnes und eher unscheinbares Buch in die Finger. Es war ein Bildband mit nur wenig Text und offenbar stammte er aus den frühen Jahren des Sprudelhofs. Auf der Suche nach dem Autor oder der Autor, dem Fotografen oder der Fotografin mussten wir genau hinschauen, denn nur ganz klein gedruckt am Ende des Buches fanden wir einen Namen: Susanne Homann.

Schnell ergab sich die Frage: Wer war diese Susanne Homann?
Niemand von uns hatte den Namen bisher wirklich gehört, niemand konnte etwas mit dem Namen und dieser Frau verbinden. Aber ihre Bilder waren schön und offenbar hatte sie die Erlaubnis erhalten auch in die nicht öffentlich zugänglichen Bereiche der Jugendstilanlage hineinzugehen, um Fotos zu machen.

Also begaben wir uns auf die Suche nach Informationen über Susanne Homann und wurden fündig. Gefunden haben wir die Biographie einer ausgesprochen interessanten und begabten Fotografin, die heute leider kaum mehr bekannt ist, obwohl viele ihre Bilder kennen, vor allem Postkartensammler*innen und alle, die sich mit der hessischen Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts beschäftigen.

Wartesaal Badehaus 3  - Susanne Homann
Wartesaal von Badehaus 3
Foto: Susanne Homann, gemeinfrei

Von der Hebamme zur Fotografin

Umwege erhöhen ja bekanntlich die Ortskenntnis und Umwege gibt es im Leben der Susanne Homann durchaus. Geschuldet sind sie wahrscheinlich der Zeit in der sie lebte, denn die machte es Frauen durchaus schwer ihren eigenen Weg zu gehen, vor allem auch in beruflicher Hinsicht.

Geboren wurde Susanne Homann am 3. Juni 1866 in Kiel. Über die ersten 33 Jahre ihres Lebens haben wir nahezu keine Informationen. Das einzige, das wir über sie wissen ist, dass sie den Beruf der Hebamme ausübte und seit 1899 in Darmstadt lebte. Warum sie hierher zog, seit wann sie als Hebamme arbeitete, all das ist nicht oder vielleicht auch nur „noch“ nicht bekannt.
Eines aber scheint klar zu sein: der Beruf der Hebamme genügte Susanne Homann nicht. Offenbar strebte sie nach einer kreativeren Arbeit und die ergab sich für sie spätestens im Jahr 1904. In diesem Jahr begegnet sie uns erstmals als Fotografin, ohne aber den Beruf als Hebamme vollständig aufzugeben.

Und es hätte wohl niemand zu diesem Zeitpunkt geahnt wohin sie dieser neue berufliche Weg noch führen sollte.

Kinder des letzten russischen Zaren Nikolaus II. - Foto Susanne Homann
Die Kinder des russischen Zaren Nikolaus II. bei einem Verwandtschaftsbesuch in Darmstadt, Foto von Susanne Homann (1910)
gemeinfrei – via Wikimedia Commons

Susanne Homann – Fotografin in der Welt des Hochadels

Noch bis ins Jahr 1913 arbeitete Susanne Homann als Hebamme. Gleichzeitig aber baute sie sich bereits erfolgreich ihre Karriere als Fotografin auf und dabei half ihr vielleicht genau der erlernte Beruf der Hebamme, denn im Jahr 1908 erhielt sie einen Foto-Auftrag des Großherzogs von Hessen: in einem Darmstädter Säuglingsheim sollte sie den Besuch der Großherzogin Eleonore (1871-1937) fotografisch begleiten. Offenbar gefielen ihre Aufnahmen, denn nur wenige Monate später erhielt sie dann den Auftrag den Großherzog Ernst Ludwig (1868-1937) selbst mit seinen Söhnen abzulichten.

Die Homann’schen Aufnahmen gefielen offenbar, denn sie wurden für offiziell vertriebene Postkarten genutzt. Spätestens diese beiden Aufträge brachten Susanne Homann wohl den Durchbruch als Berufsfotografin.

Ihr Fotoatelier, das sie in Darmstadt betrieb, firmierte unter der Bezeichnung „Werkstätte für moderne Lichtbildkunst“ und spezialisierte sich vor allem auf Postkarten. Neben den Porträtaufnahmen des hessischen Herrscherhauses und seiner umfangreichen Verwandtschaft, wie etwa der russischen Zarenfamilie, machte sich Susanne Homann vor allem als Architekturfotografin einen Namen.

Vorraum Kaiserinnenbad - Badehaus 3 Bad Nauheim - Susanne Homann
Vorraum des nicht mehr erhaltenen Kaiserinnenbades in Badehaus 3
Foto: Susanne Homann, gemeinfrei

Susanne Homann und die Architekturfotografie

Ihre Architekturaufnahmen wurden nicht nur als Postkarten vertrieben, sondern auch als Bücher, wie das kleine Büchlein über Bad Nauheim zeigt. Dabei übernahm sie den Vertrieb zumeist selbst.

Offenbar erarbeitete sich Susanne Homann mit ihren Architekturfotografien einen Ruf, der weit über die Grenzen Hessens hinausging, denn aus ganz Deutschland sind Postkartenserien von ihr bekannt, so aus Dresden, Regensburg, Elberfeld, Barmen, Trier, Köln, Marburg, Potsdam, Augsburg, Maulbronn und vielen vielen anderen Städten und Orten.

Als Susanne Homann am 6. März 1923 in Darmstadt starb, war sie eine anerkannte und vor allem bekannte Fotografin und Verlegerin, deren Fotos in Form von Postkarten in ganz Deutschland kursierten.
Ihr fotografischer Nachlass wurde dem Archiv des Volksstaates Hessen übergeben, der nach der Absetzung Großherzog Ernst Ludwigs im Jahr 1918 entstanden war und bis 1934 bestehen blieb. Ihre Bilder aber wurden weiter als Postkarten verkauft und finden sich noch heute in zahlreichen Sammlungen und Archiven.

Schmuckhof Badehaus 3 Bad Nauheim, Susanne Homann
Schmuckhof Badehaus 3
Foto: Susanne Homann, gemeinfrei

Eine Auswahl der Fotografien Susanne Homanns findet sich im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt.
Weitere Informationen s. Wikipedia-Artikel: Susanne Homann.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.