Themenwoche: Jugendstilkünstler Bad Nauheim

Die Woche vom 24. bis zum 30. Mai 2021 war auf unseren Social Media-Kanälen wieder eine Themenwoche – sie stand unter dem Hashtag #JugendstilkünstlerBN und war sieben Männern gewidmet, deren Kunstwerke noch heute in den Jugendstilanalgen von Bad Nauheim zu bewundern sind.
Übrigens ist die männliche Form hier tatsächlich einmal vollkommen richtig, denn bislang konnten keinerlei Frauen gefunden werden, die an der künstlerischen Ausgestaltung der hiesigen Jugendstilanlagen beteiligt waren. Vielleicht ist die Ursache dafür tatsächlich darin zu suchen und auch zu finden, dass die Ausgestaltung Bad Nauheims stark von der Darmstädter Mathildenhöhe beeinflusst war und die meisten Künstler von dort kamen und eben in dieser Künstlerkolonie, die von Großherzog Ernst Ludwig einst ins Leben gerufen worden war gab es tatsächlich keine weiblichen Künstler.
Nichts desto weniger haben wir insgesamt sieben interessante Männer gefunden, deren Biographien wir kurz notiert haben und deren Werke in Bad Nauheim wir Euch hier noch einmal vorstellen möchten:

Themenwoche #JugendstilkünstlerBN – Montag: Wilhelm Jost

Gestartet sind wir in diese Themenwoche mit – so könnte man sagen – dem Mann, dem aller Jugendstil hier zu verdanken ist: Wilhelm Jost, dem Architekten, der sich selbst als Künstler sah und im Sinne des Jugendstils auch sicher als solcher anzusehen ist.
Nicht nur, dass Wilhelm Jost als Architekt für die verschiedenen architektonischen Formen und Spielarten des Jugendstils verantwortlich war, die wir in Bad Nauheim finden können, er brachte sich auch in künstlerischer Hinsicht stark ein: So manche Skulptur, so manches Ornament in der Anlage hinter dem eigentlich er steckt. Doch vor allem fallen bis heute die Möbel auf, die er für die Badehäuser des Sprudelhofs schuf und die vielfach erhalten geblieben sind.
Wilhelm Jost wurde 1874 in Darmstadt geboren, wo er auch sein Architekturstudium absolvierte. Nach Beendigung des Studiums wurde er Assessor in der Großherzoglich Hessischen Bauverwaltung in Gießen. 1901 wurde er von dort nach Friedberg versetzt und erhielt noch im gleichen Jahr seinen ersten Auftrag für Bad Nauheim. Es war das Inhalatorium, das er hier bauen sollte, das aber – zumindest vom Äußeren her – noch ganz dem alten Bad Nauheimer Fachwerkstil verhaftet ist.
Aber Jost bewies sich hier und erhielt den Auftrag für sämtliche Neubauten von Bad Nauheim. Im Herbst 1904 begannen die Arbeiten und dauerten bis ins Jahr 1911.
Nach einigen persönlichen Unstimmigkeiten verließ Wilhelm Jost Bad Nauheim und wurde 1912 nach Worms versetzt. Noch im gleichen Jahr bewarb er sich auf eine Stelle nach Halle an der Saale, wo er bis zu seiner Pensionierung tätig war.
Seit 1912 war Wilhelm Jost auch Mitglied des Deutschen Werkbundes. Nach seinem Tod 1944 wurde er auf dem von ihm geschaffenen Gertraudenfriedhof in Halle / Saale beerdigt.

Themenwoche #JugendstilkünstlerBN – Dienstag: Ernst Riegel

Am Dienstag stellten wir Euch den Goldschmied, Bildhauer und Hochschullehrer Ernst Riegel (1871-1939) vor. Er besuchte die Königliche Kunstgewerbeschule in München und studierte insgesamt fünf Jahre Bildhauerei und Goldschmiedekunst. In den Jahren 1906 bis 1912 war er Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe und auch er war, genau wie Wilhelm Jost Mitglied des Deutschen Werkbundes.
1913 ging er nach Köln und wurde 1926 zum Professor an den Kölner Werkschulen berufen.
Als Mitglied der Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt fertigte er die Metallkunstwerke in der Trinkkuranlage und auch die mit Sprudelblasen versehenen Geländer im Sprudelhof von Bad Nauheim. Überall sind es Motive aus der Natur, aus Fauna und Flora, die Ernst Riegel in Szene setzte.
Neben seinen Metallkunstwerken entwarf Ernst Riegel auch Keramikfiguren für die Firma Waechtersbach. Von diesen Figuren befinden sich einige in der Sammlung des Jugendstilforums.

Themenwoche #JugendstilkünstlerBN – Mittwoch: Friedrich Wilhelm Kleukens

Friedrich Kleukens (1878-1956) machte eine Ausbildung zum Zeichner in einer Silberwarenfabrik in Hemelingen und besuchte dann die Kunstgewerbeschule in Berlin.
Im Jahr 1900 gründete er mit Fritz Helmut Ehmke und Georg Belwe die Steglitzer Werkstatt.
In den Jahren 1903 bis 1906 war er als Lehrer an der Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig tätig und wurde 1906 als Mitglied der Mathildenhöhe Darmstadt berufen.
Zwischen 1907 und 1911 unterrichtete er an den “Großherzoglichen Lehrateliers für angewandte Kunst” und wurde Leiter der “Ernst-Ludwig-Presse”.
Für Bad Nauheim gestaltete er die Wartesäle der Badehäuser 2 und 6. Leider sind nur die für Wartesaal 2 gemalten Bilder erhalten geblieben, sie zieren heute das Foyer des Jugendstiltheaters im alten Kurhaus im Hotel Dolce by Wyndham Bad Nauheim.

Themenwoche #Jugendstilkünstler BN – Donnerstag: Wilhelm Köppen

Wilhelm Köppen (1876-1917) war Maler und Architekt. Dass er einmal Künstler werden würde, lag sozusagen fast auf der Hand, denn sein Vater war der Historienmaler Theodor Köppen (1828–1903). Wilhelm war also familiär künstlerisch vorbelastet.
 In den Jahren 1894 bis 1897 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in München u.a. bei Franz von Stuck.
Ursprünglich waren seine Werke dem Historismus zuzurechnen, aber er beschäftigte sich auch zunehmend mit dem Jugendstil. Aber selbst die stärkere Hinwendung zum Jugendstil führte nicht dazu, dass er sich von historischen Vorbildern vollständig löste. Es war vor allem der Neoklassizismus, dem er verhaftet blieb.
Die Motive seiner Werke stammen vor allem aus der antiken griechischen und römischen Mythologie. So auch die Mosaike, die er für das Fürstenbad in Badehaus 2 schuf.
Ganz ähnlich Motive verwendete Köppen auch bei seinen Arbeiten im Kurhaus von Wiesbaden und im Solbad Raffelberg in Mülheim a.d.R. Speldorf.

Themenwoche #JugendstilkünstlerBN, Donnerstag: Augusto Varnesi

Augusto Varnesi (1866-1941) war Bildhauer und Medailleur. Seine Ausbildung machte er an der Accademia di San Luca in Rom, wo er auch Wilhelm Widemann kennenlernte.
Als Schüler Widemanns kam er 1883 nach Deutschland. 1891 zogen beide Künstler nach Berlin und arbeiteten an der Ausgestaltung des Reichstagsgebäudes.
1896 zog Varnesi nach Frankfurt am Main.
Zu Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und Bei Rhein, der die Neubauten in Bad Nauheim veranlasste, hatte Varnesi schon zuvor Kontakt, denn er hatte an den Sarkophagen für Ernst Ludwigs Eltern, Ludwig IV. und Alice mitgearbeitet.
Für Bad Nauheim fertigte er den Brunnen und Teile der Dekoration im Schmuckhof von Badehaus 5.

Themenwoche #JugendstilkünstlerBN: Heinrich Jobst

Heinrich Jobst (1874-1943) wurde als Sohn eines Steinmetzes geboren und absolvierte zunächst eine Ausbildung als Bildhauer. Zwischen 1896 und 1898 war er an der Akademie für bildende Künste in München.
In den Jahren 1907 bis 1914 war Heinrich Jobst Mitglied der Künstlerkolonie Mathildenhöhe Darmstadt.
Die Werkstoffe mit denen er arbeitete waren Terracotta, Porzellan, Metalle und Holz. Befreundet war er unter anderem mit Jakob Julius Scharvogel und Ernst Riegel.
Für Bad Nauheim fertigte Jobst zunächst den Beneke-Brunnen, der dem Balneologen Friedrich Wilhelm Beneke ein Denkmal setzen sollte. Der Brunnen befindet sich heute neben dem Kerckhoff-Institut.
Zwischen 1911 und 1913 entstanden dann die große Sprudeleinfassung in der Mitte des Bad Nauheimer Sprudelhofes, sowie der Hessische Löwe und die Einfassung für den Ernst-Ludwig-Sprudel.
Ebenfalls auf Heinrich Jobst zurück gehen die Gestaltungen der Schmuckhöfe der Badehäuser 2 und 7.

Themenwoche #JugendstilkünstlerBN: Jakob Julius Scharvogel

Jakob Julius Scharvogel (1854-1938) machte zunächst eine kaufmännische Ausbildung und studierte dann Mathematik, Chemie und Physik. 1883 bekam er eine kaufmännische Stelle bei Villeroy & Boch und leitete dort ab 1885 die Vertriebszentrale.
Aber schon zu dieser Zeit betätigte sich Scharvogel auch künstlerisch.
1898 gründete er eine eigene Kunsttöpferei und arbeitete mit Ludwig Habich und Paul Haustein zusammen.
1902 wurde Scharvogel in die Künstlerkolonie Mathildenhöhe Darmstadt (Official) berufen und übernahm später die Leitung der Großherzoglichen Keramischen Manufaktur, die jedoch wirtschaftlich erfolglos blieb, daher bat er 1913 um seine Entlassung und kehrte nach München zurück.
In Bad Nauheim zeichnete Scharvogel für die keramischen Arbeiten in den Badehäusern und Schmuckhöfen verantwortlich.
In der Sammlung des Jugendstilforums befinden sich auch kleinere keramische Arbeiten, wie Vasen und Krüge von Jakob Julius Scharvogel.