Themenwoche Jugendstil-Gärten

Unsere Themenwoche im März war den Jugendstil-Gärten des Sprudelhofs und der Trinkkuranlage gewidmet. Auch hier hat der Jugendstil à la Wilhelm Jost und Darmstadt seine Spuren hinterlassen.
Auf die Idee für diese Themenwoche brachten uns das schöne Wetter, der nahende Frühlingsbeginn und vor allem das Museum Burg Posterstein, denn dort geht es in den nächsten Monaten um #GartenEinsichten und das passt doch perfekt, oder?

Gärten sind Räume der Erholung, Orte, an denen man die Seele baumeln lassen kann. Genau dazu sollten auch die Gärten dienen, die wir im Sprudelhof haben. Es sind insgesamt sechs an der Zahl, sie werden Schmuckhöfe genannt und bilden den Mittelpunkt eines jeden Badehauses.


#GartenEinsichten in Jugendstil-Gärten

Wir beginnen mit dem Schmuckhof in Badehaus 3, also dem grünen Zentrum des Jugendstilforums:
Ruhe, Harmonie und Romantik strahlt der Schmuckhof von Badehaus 3 aus. Die rosenumrankten Pergolen, der kleine Brunnen, das alles lädt den Gast zum Verweilen ein, zum Ausspannen und zur Erholung.
Die Farben im Schmuckhof sind zurückgenommen. Es dominieren Weiß und Grün, im Sommer kommen dann noch die zarten Farben der Rosenblüten hinzu.
Es waren wohl die Pergolen der Certosa di Pavia, die Wilhelm Jost zu diesem Schmuckhof inspirierten.
Der Brunnen mit dem kleinen Putto stammt vom Bildhauer Johann Belz (1873-1957).
Ja, und hier im Schmuckhof von Badehaus 3 finden sich übrigens auch die Gartenbänke von Max Laeuger für die wir aktuell noch Paten für die Restaurierung suchen.


Zierbrunnen und Delphine

An Tag 2 der Themenwoche Jugendstil-Gärten ging es in den Schmuckhof von Badehaus 2. Viel ist von der ursprünglichen Gartenanlage hier leider nicht erhalten geblieben.
Blickfang in diesem Schmuckhof ist der Brunnen mit einer auf einem Delphin reitenden Frau. Gestaltet wurde er von Heinrich Jobst (1874-1943).
Hinter dem Zierbrunnen findet sich eine dreiflügelige Tür über der ein großes Terrakottarelief angebracht ist. Zahlreiche Aktfiguren zieren das Relief in dessen Mittelpunkt eine Frauengestalt steht, die Wasser an die herantretenden Personen verteilt.
Kleine Terrakottareliefs bilden den Abschluss der einzelnen Pfeiler. Es sind Naturmotive wie Vögel, Kleintiere oder auch Ranken, die auf ihnen zu sehen sind. Zwischen den Pfeilern sind Fenster eingelassen und über ihnen gibt es wieder Reliefs mit kleineren Figurengruppen. Sie zeigen Faune, Nymphen, Putti und Zentauren. Auch hier – im Schmuckhof von Badehaus 2 – also wird der Betrachter in eine mythische und mystische Welt entführt. Sie wird beherrscht von der Natur, von Wasser und – ganz selbstverständlich – von Fantasiegestalten.


Gärten zwischen Jugendstil und Mittelalter

Der Schmuckhof von Badehaus 4 empfing uns am Mittwoch unserer Themenwoche “Jugendstil-Gärten”:
Übersichtlich wirkt er, dieser Schmuckhof. Und er bietet dem Gast eine gewisse Weite ohne dabei – und das ist eine Kunst – seine intime Stimmung zu verlieren. Man fühlt sich an den Kreuzgang in einem kleinen mittelalterlichen Kloster erinnert. Im Übrigen ein Motiv, das sich hier im Sprudelhof und in so manchem Schmuckhof findet. Die Reise nach Italien mit den vielen Besuchen in Klöstern und Kirchen hat bei Wilhelm Jost und den anderen Künstlern, die ihn dorthin begleiteten offenbar tiefe Spuren hinterlassen.
Die Gartenanlage in der Mitte des Schmuckhofs ist streng geometrisch und erinnert an barocke Gartenanlagen. Die Wege sind weiß und parzellieren die Rasenfläche, die von niedrigen dunkelgrünen Sträuchern gesäumt wird.
Der Gast, der vom Wartesaal aus in den Schmuckhof blickt nimmt sofort eine freistehende Steinmauer am gegenüberliegenden Ende des Gartens wahr. Über den Säulen spannt sich eine hölzerne weiße Pergola. Die beiden mittleren Säulen rahmen einen Brunnen. Rund um ihn herum finden sich in Mauern und Säulen steinerne Muscheln und Schnecken.
Geschaffen hat die wasserspeiende Dämonenmaske wohl der Bildhauer Ludwig Habich (1872-1949). Auch Habich war, wie so viele andere Künstler, die an der künstlerischen Gestaltung des Bad Nauheimer Sprudelhofs beteiligt waren, Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie, die von Großherzog Ernst Ludwig ins Leben gerufen worden war.
Mit seinen klaren und strengen Formen, die dennoch nicht kühl wirken, sondern eher beruhigend, lädt der Schmuckhof zum Verweilen ein, zum Ausruhen und zum Entspannen. Nach einer anstrengenden Anwendung in einer der Badezellen, konnte sich der Kurgast hier erholen, die Natur genießen, zu Kräften kommen und herunterfahren. Genau dazu waren diese Schmuckhöfe auch gemacht, denn sie gehörten genauso zum Konzept der Kur wie die Badezellen und die anderen Anwendungen, die auf den Kurgast warteten.


Barock meets Jugendstil

Auch im Schmuckhof von Badehaus 5 ist das Wasser das Motiv der Wahl. Ähnlich wie in Badehaus 4 ist auch dieser Schmuckhof klar und geometrisch strukturiert. Im hinteren Teil befindet sich wieder eine Mauer mit einer wasserspeienden Dämonenmaske als Brunnen. Vier darum gruppierte Säulen – zwei davon kunstvoll gestaltet – tragen eine schattenspendende Pergola und auch hier erinnern die Formen stark an barocke Vorbilder.
Die Brunnenmaske, ebenso wie die Pfeiler stammen wahrscheinlich aus der Werkstatt des Bildhauers Augusto Varnesi (1866-1941).
In der Mitte des Schmuckhofs befindet sich eine rechteckige Rasenfläche, die ein heller Weg umgibt, der von dunkelgrünen Sträuchern gesäumt wird.


Ein Jugendstilgarten zwischen Scharvogel und Huber

In der 3. und letzten Bauphase des Sprudelhofs von Bad Nauheim entstand das Badehaus mit der Nr. 6.
Der Schmuckhof, der zu diesem Badehaus gehört wirkt nicht unbedingt wie in der Epoche des Jugendstils entstanden. Er ist eher die kleine Ausgabe eines Herrenhauses ausgangs des 18. Jahrhunderts. An seinen Längsseiten wird dieser Schmuckhof von langen Säulenreihen gesäumt, die nur durch ihre Form, nicht aber durch Schmuck oder Ornamente, hervorstechen.
Der einzige Schmuck sind helle, in Weiß und hellen Brauntönen, gehaltene Masken aus der Produktion der Großherzoglich Keramischen Manufaktur. Gefertigt wurden sie vom in Bad Nauheim und im Großherzogtum Hessen allgegenwärtigen Keramiker Jakob Julius Scharvogel (1854-1938). In ihrem Ausdruck erinnern die Masken an italienische Renaissancefiguren. Insgesamt 15 dieser Masken sind es, die im Schmuckhof zu finden sind und die ihn stetig zu beäugen und zu bewachen scheinen.
Ursprünglich gab es noch zwei kleine Brunnen in diesem Schmuckhof. Sie wurden von Karl Huber (1872-1952) aus Keramik gefertigt. Leider gingen sie bei der Modernisierung der Sprudelhofanlagen in den 1960er Jahren verloren.


Ein Jugendstilgarten zieht um

Der Samstag unserer Themenwoche “Jugendstil-Gärten” führte uns in den Schmuckhof von Badehaus 7.
Anders als der von Wilhelm Jost entworfene Wartesaal wurde der Schmuckhof dieses Badehauses maßgeblich von Heinrich Jobst entworfen. Aber auch hier hatte Jakob Julius Scharvogel nicht nur die technische, sondern auch die Gesamtaufsicht über die Ausgestaltung.
Ja, und inspiriert worden ist auch dieser Schmuckhof durch die schon erwähnte Italienreise der Künstler und erinnert – das wundert jetzt wohl niemanden mehr – an den Kreuzgang einer Kartause. Anders als im Innenbereich des Warteraums sind die Terrakotten hier unglasiert. Mit ihrer typischen Farbe verbreiten sie eine warme und mediterrane Atmosphäre.
Zahlreiche Wassertiere zieren die Wände. Frösche sitzen auf den Bänken und versetzen den Besucher in eine nahezu märchenhafte Welt. Obwohl die Dekoration in diesem Schmuckhof seriell gefertigt wurde, ist er keinesfalls langweilig, sondern trotzdem ausgesprochen detail- und abwechslungsreich.
So wie der Wartesaal, so wurde auch der Schmuckhof von Badehaus 7, bevor er nach Bad Nauheim kam, zunächst auf der Hessischen Landesausstellung 1908 in Darmstadt gezeigt. Das ist wohl der Hauptgrund warum er deutlich anders wirkt als die Schmuckhöfe der übrigen Badehäuser und im Vergleich zu ihnen kleiner ist, intimer und auch deutlich abgeschlossener.
Den Mittelpunkt bildet wieder mal ein Zierbrunnen. Die Nixen und Putti, die ihn säumen, erinnern an Renaissanceplastiken.


Trinkkuranlage und Kurpark – Die Bedeutung der Gärten

Am Sonntag, dem letzten Tag unserer Themenwoche – die Schmuckhöfe des Sprudelhofs, sechs an der Zahl, hatten wir alle besucht – ging es in die Trinkkuranlage:
Sie entstand zwischen 1910 und 1912 und auch zu der gehört ein Garten.
Anlässlich der Landesgartenschau Hessen im Jahr 2010 wurde dieser Garten unter dem Motto: „Traumhafte Gärten im Herzen der Stadt“ neu gestaltet.

Und wenn es um Gärten so ganz allgemein geht, dann sollte man vor allem auch den von Heinrich Siesmayer in den Jahren 1857-1862 gestalteten Kurpark nicht vergessen.
Grün und Gärten gibt es in Bad Nauheim wirklich überall.


Beitragsbild:
Die romantische Version eines Jugendstil-Gartens: der Schmuckhof von Badehaus 3
Foto: H. Hölzinger CC-by SA 4.0